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Einige Besonderheiten des Karate-do

Einige Besonderheiten des Karate-do

Vorbemerkung:

Wegen der geradezu unheimlichen Schlagkraft, die ein trainierter Karateka (= Karate-Betreibende/r) an den Tag legen kann, entstand nicht selten der Eindruck, dass Karatekas im Besitz von „übernatürlichen“ Kräften seien. Tatsächlich hat die ungewöhnliche Kraft, die sich in vielen Karate-Techniken bei Angriff und Verteidigung entfaltet, keineswegs mysteriöse Ursachen, sondern ist das Resultat, wenn naturwissenschaftliche Prinzipien der Körpermechanik ihren effektiven Niederschlag finden. Des Weiteren befähigt die Kenntnis psychologischer Prinzipien einen Karateka dazu, eine angemessene Technik zum richtigen Zeitpunkt zu platzieren. In der Tat ist es so, dass Karate-Experten auf einem hohen Niveau, nachdem sie diese Kampfkunst über viele Jahre unermüdlich trainiert haben, die Bewegungen des Gegenübers schon vor dessen Ausführung erahnen und somit einem Angriff u.U. zuvorkommen können.

Kime:

Das Wesentliche der Karate-Techniken ist Kime. Kime bedeutet so viel wie die explosionsartige Ausführung einer Technik mit maximaler Kraft in der kürzesten Zeit, die möglich ist (Entfalten von „Schockenergie“). Früher gab es hierfür noch den Begriff: „Ikken Hissatsu“ – mit einem Schlag töten. Daraus abzuleiten, dass das Ziel des Karate-do das Töten sei, ist allerdings falsch! Kime wird bei Schlägen, Stößen und Tritten, aber auch bei Abwehrbewegungen eingesetzt. „Eine Technik ohne Kime ist kein richtiges Karate, auch wenn dies so scheinen mag.“ (Prof. Masatoshi Nakayama, ehemaliger Leiter der Sportfakultät an der Takushoku-Universität und Chiefinstructor der Japan Karate Association).

Sun-Dome:

Obiges gilt selbstverständlich auch für das Partner- bzw. Kampftraining oder auch für Karate-Wettkämpfe, nur dass hier der Kontakt wegen der Verletzungsgefahr verboten ist. Sun-Dome bedeutet, dass das Angriffsziel geringfügig (ca. 3 cm) vor die jeweiligen empfindlichen Körperstellen („Vitalpunkte“) des Gegners bzw. Partners verlagert wird. Dieses „gedachte“ Ziel lässt sich dann mit maximalem Krafteinsatz „treffen“. Hierzu bedarf es einer guten Selbstdisziplin bzw. Selbstkontrolle – „um Sieger zu werden muss man sich zuerst selbst besiegen.“ (M. Nakayama)

Kihon:

„Shori ni Chikamichi Nashi“ - Der Weg zum Erfolg kennt keine Abkürzung (M. Tanaka, 8. Dan, JKA-Instructor). Das intensive und regelmäßige Üben der sich ständig wiederholenden grundlegenden technischen Elemente des Karate-do erfordert Hingabe, Zeit und Geduld. Der durchschnittliche Karate-Anfänger empfindet das Üben dieser Basisübungen und Grundtechniken - mit und ohne Partner - oft als „langweilig“, aber ohne ein gewissenhaft errichtetes Fundament kann es keinen wirklichen Fortschritt geben.„Kihon ist die Wurzel des Karate-do. Ein starker Baum benötigt tiefe Wurzeln. Kihon trainiert Körper und Geist.“ (K. Tsuyama, 9. Dan, Leitender Professor Physical Education an der Takushoku-Universität)

Kata:

„Kata ist die Seele des Karate-do.“ (Sensei T. Naka, 7. Dan, JKA-Instructor und mehrfacher Kumite-Weltmeister) Die Kata ist eine vorgeschriebene, aus einer langen Vergangenheit überlieferte (d.h. traditionelle) Übung, die aus einer Abfolge von Stellungen, Blocks, Angriffs- und Rückzugsbewegungen besteht. Sie stellt einen Kampf gegen mehrere imaginäre Gegner dar. Schnelligkeit, Kraft, Flexibilität, Rhythmus und Timing sind Schlüsselfaktoren bei der Ausführung einer Kata. Es gibt unterschiedliche Katas, einige erfordern größten Krafteinsatz, andere wiederum verlangen äußerste Schnelligkeit oder Muskel- und Atemkontrolle. Auch sind Katas heutzutage Teil von Karate-Wettkämpfen. Bei den Katas wird sowohl der Körper als auch der Geist trainiert. In der Ausführung einer Kata sollte der Karateka Selbstvertrauen und Bestimmtheit, aber auch Bescheidenheit und Höflichkeit zeigen und damit diszipliniert Körper und Geist zu einer Einheit vereinen. Bei der Ausführung der Kata soll die Kraft im so genannten „Seika-tanden“ oder „Hara“, dem Körperschwerpunkt, konzentriert sein. Auf mentaler Ebene spielen insbesondere der Kampfgeist und das „Zanshin“ - was in etwa so viel bedeutet wie: „Wachsamkeit“ oder auch „Konzentration“ - eine entscheidende Rolle beim Üben bzw. Vorführen einer Kata. Jede Bewegung in der Kata hat ihre eigene Bedeutung und Funktion, keine Technik ist überflüssig. Die praktische Anwendung dieser Bewegungen bzw. Prinzipien aus der Kata erfolgt schließlich im „Bunkai“. Jede Kata beginnt und endet mit einer Verbeugung, wodurch der defensive Charakter der Kampfkunst Karate-do explizit unterstrichen werden soll. Eine meisterhaft ausgeführte Kata kann durchaus zum künstlerischen Ausdruck, einer „Kunst“, werden, die ihren etymologischen Ursprung im Begriff „Können“ erkennen lässt.

(Quellen: Nishiyama H.: Karate – Die Kunst der leeren Hand. Lauda 2001; Nakayama. M.: Karate perfekt, Bd. 1. Niedernhausen/ Ts. 1992; Tanaka, M.: Kumite in Perfektion. Lauda 1997; Okazaki, T.: Modernes Karate. Niedernhausen/ Ts. 1987)